Google+ ist noch nicht lange online und bereits jetzt als “The two minute network” der Geeks und Freaks abgestempelt, da kommt schon die nächste Plattform von einem Team von Google Nerds. Schemer.com. Sie ist zwar nun schon einige Wochen im Netz, aber aus meiner Sicht auch erst jetzt eines Blogposts würdig. Schliesslich schreibt man ja nicht gerne über Google Labs Projekte die direkt wieder von der Bildfläche verschwinden oder aus dem Tal der digitalen Tränen nicht herausfinden :)

Ich muss schon sagen, dass ich das erste Mal einen Hauch von Begeisterung in mir aufkommen spüre, was mit sonst bei Google-Produkten bisher immer gefehlt hat.  Auch wenn ich da sonst viel kritischer bin, wenn ein neues Google-Social Media Produkt auf den Markt losgelassen wird, bin ich nun gespannt, was man damit plant und wohin die Reise geht.

Doch nun zu Schemer.com. Was ist das?

Sehen wir uns dazu einfach mal folgenden Screenshot an, der meine Accountseite darstellt.

Snapshot einer Account Seite bei Schemer.com

Auffällig ist zunächst die sehr überschaubare Darstellung. Einfach und schnell erklärt worum es geht. Es geht um “Schemes”, also darum Wünsche, Interessen oder gar Lebensziele zu formulieren und diese mit Freunden (auch in Google+ Circles) zu teilen. Freunde haben nun die Möglichkeit zu “sagen”, dass sie das auch wollen – z.B. mein Wunsch ein Buch zu schreiben – oder mit einem Klick auf das Häkchen zu bestätigen, dass man das schon gemacht hat. Auch das Wegklicken mittels Klick auf das “x” ist möglich. So filtert Schemer.com dann was man nicht mag.

Interessant ist, dass man sich von Freunden/Follower “inspirieren” lassen kann. So stellt man dann fest, wer ein beeinflusst hat und ob das am Ende dazu geführt hat, dass man sein “Scheme”, also seinen Wunsch, umgesetzt hat. Beeinflusst werden kann das auch durch zusätzliche Kommentare die innerhalb des jeweiligen Schemes abgegeben werden können.

Jetzt fragt man sich natürlich, wie sich das von neuen Plattformen wie Pinterest abhebt bzw. unterscheidet. In meinem Artikel über “Interessen in Social Media Netzwerken wie Pinterest oder Facebook” habe ich bereits über das Thema Interessen-teilen geschrieben und muss sagen, dass mir die Idee von Schemer.com wie damit umgegangen werden sollte, noch etwas besser gefällt. Nicht weil man in Schemer.com auf Texte fokussiert ist, aber weil die Interessen eindeutiger sind und man über das Teilen der Interessen noch mehr valide/anreichernde Kommentare zurück bekommt und so besser gemeinsame Interessen identifizieren kann. Klar könnte man nun sagen, dass Pinterest emotionaler ist und Facebook mit Interessenlisten auf eine viel breitere Basis trifft, aber der Ansatz von Schemer.com ist aus meiner Sicht zielführender, weil eindeutiger.

Hier noch ein Snapshot wie ein Scheme in Schemer.com aufbereitet wird und wie damit umzugehen ist:

Ein Scheme bei Schemer.com

Denkt man nun darüber nach, wie man Schemer.com in die Social Media Strategie eines Unternehmens einfliessen lassen kann, wird den meisten wohl relativ schnell klar, wo da die Reise hingeht. Die versuchte Einflussnahme auf Schemes dürfte im Freundeskreis nicht mehr ganz so einfach sein und wird sicher auch kontrovers diskutiert/kommentiert.

Ist das angelegte Scheme z.B. ein Ziel “Ich möchte gerne mal einen besonderen Haarschnitt”, dann dürfte jedem Frisör in der Gegend klar sein, dass das eine gute Chance für einen erfolgreichen Pitch ist. Ist der Frisör jedoch einer mit schlechten Bewertungen oder sogar stadtbekannt als “Anfänger”, dann ist er wahrscheinlich genauso schnell wieder raus. Ob es tatsächlich zu einer neuen Frisur kommt, ist natürlich fraglich. Denn nur weil sich jetzt jeder dazu eingeladen fühlt seinen Kommentar oder Wünsche zu äußern, welche Frisur es sein sollte, muss das noch lange keine Auswirkung auf die Entscheidung des Initiators sein. Viel interessanter ist da die Frage, wie viel andere User die das lesen würden gerne mal einen besonderen Haarschnitt haben bzw. wie viele davon hatten vielleicht schon einen besonderen Haarschnitt und teilen zugleich ein Bild davon.

Denkte man nun z.B. an den Aufenthalt in einem 5-Sterne Wellnesshotel als Ziel “Scheme”, dann ergibt sich für den einen oder anderen Leser vielleicht noch mal ein konkreteres Bild der Möglichkeiten die sich aus solchen Schemes ergeben.

Ich gehe davon aus, dass man Funktionen von Schemer schon recht bald in Google+ und Facebook finden wird, so dass ein Wechsel oder ein zusätzlicher Account bei Schemer.com nicht wirklich notwendig ist. Das hat man ja bereits beim Funktionsklau seitens Facebook bei Pinterest gesehen, aber das ist eine andere Geschichte …

Wer noch eine Einladung zu Schemer.com benötigt und das gerne mal ausprobieren mag. Ich hab noch ein paar Einladungen zur Verfügung.



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